Simulant

Vor einigen Tagen ging bei der Hauskrankenpflege ein Anruf ein. Die verwirrte Frau redete sofort drauf los.

„Guten Tag! Ich rufe gerade aus dem Krankenhaus an, mein Mann hatte einen Herzinfarkt. Er kann nicht mehr laufen. Und morgen wird er schon entlassen. Ich habe schon alles vorbereitet. Eine spezielle Matratze, Windeln, Einlagen, Gehhilfen, nur für alle Fälle. Im Krankenhaus haben sie mir eure Visitenkarte gegeben, sie meinten, sie beraten uns zum Thema Pflege.

Alles vereinbart, bin ich einige Tage darauf zu dem Kranken nach Hause gefahren. Sie können sich nicht vorstellen, was für ein starker Mensch das war! Davon hat die Frau mir nichts gesagt! Und jetzt ist er bettlägerig und kann nichts mehr.

Wie lagern wir ihn nun um, um die Windeln zu wechseln? Er ist schon durch die letzten Tage sehr frustriert, hat keine Kräfte mehr. So heben wir ihn, seine Frau ächzt, wir schaffen es, ihn umzulagern und lächeln durch die Anstrengung.

Ich wende mich an den Kranken:

„Juri Petrowitsch, beugen Sie bitte das Bein und jetzt das andere.”

Geschafft!

„Stoßen Sie sich nun ab! Sehr gut!”

Der Mann gibt sich alle Mühe und schließlich schaffen wir es, dass er sich setzen kann, seine Beine baumeln, ohne Stütze.

„Bewegen sie sich nun näher zur Bettkante.”, befehle ich.

Die Frau erschrickt, wirft die Hände hoch und ruft:

„Lassen sie das, er wird fallen.”

Vorsichtig stelle ich mich zwischen die Beiden, gestatte ihr nicht, ihm zu helfen.

„Also stehen wir auf?”

„Ja ich kann doch nicht.” erwidert Juri Petrowitsch, aber ich setzte meine Anweisungen fort und er folgt ihnen und bewegt sich weiter.

„Sehen Sie, wie es läuft, Sie sind ja ein wahrer Simulant mein Freund.” sage ich mit einem Hauch von Vorwurf und Ironie in meiner Stimme. „Sie sind müde nicht wahr? Nun legen wir Sie wieder hin.”

Die Frau, noch immer perplex von dem was gerade geschehen ist, redet weiter:

„Das spezielle Bett wollen wir trotzdem nehmen.”

„Aber er wird doch nicht bettlägerig bleiben.” lächel ich. Sie müssen jetzt erst daran denken, ihn so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu bekommen. Ich werde ihnen jetzt spezielle Übungen für die Arme und Beine zeigen, damit die Muskeln gestärkt und nicht abgebaut werden und damit der Blutdruck stabil bleibt.”

„Ohje, das kann ich mir doch nicht alles merken,” erschrickt die Frau. „Sie werden doch wieder kommen?”

Nach einer Woche klingelte das Telefon der Hauskrankenpflege erneut:

„Sie erinnern sich? Ich bin die Frau von Juri Petrowitsch. Sie müssen nicht mehr zu uns kommen. Wir können schon mit Gehhilfen bis zum Fenster gehen!

Viele Familienangehörigen, vor allem Frauen, lassen ihren kranken Verwandten übermäßige Fürsorge zukommen und denken dabei nicht an ihre eigenen Kräfte, bzw. an das Selbstwertgefühl des Kranken. Es gibt eine wichtige Regel, an die sich erinnert werden muss:

 „ÜBERMÄßIGE FÜRSORGE FÜHRT ZU EINER PASSIVEN LEBENSWEISE DES KRANKEN”

Manchmal denken wir bei der Pflege von Kranken nicht darüber nach, dass sie das eine oder andere selber machen könnten. Natürlich kommt das auf der einen Seite dadurch, dass die Situation eines Kranken erst mal neu und unbekannt ist und man anfangs nicht weiß, ob man ihn eher aktiv auffordern und zwingen sollte sich zu bewegen oder ob man ihn erst mal in Ruhe lassen sollte usw.

Die Krankenschwestern der Hauskrankenpflege haben jedoch schon einen breiten Erfahrungsschatz, sie schätzen die Kräfte und Möglichkeiten des Kranken ein, geben deutliche Anweisungen und Tipps im Umgang und der Pflege und der Rehabilitationsprozess kann dadurch erheblich beschleunigt werden.

Den Hauskrankenpflegedienst können Sie hier und jetzt mit einer beliebigen Summe von Spenden unterstützen! Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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