„Mein Gott, es tut so weh! Sie haben mir gesagt, dass es weh tun wird, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm sein wird und das obwohl noch nicht alles vorbei ist.” Eine Krankenschwester schaut ins Zimmer rein: „Welche Frau schreit hier so?” „Frau? – Meinen Sie mich? Ich bin doch erst 17!”, dachte Vika empört. Die Zeit zog sich unendlich lange hin. Endlich kommt die Hebamme rein. „Nun wie geht es dir?” „Bei mir ist alles gut”, sie wird nochmal untersucht. „Und jetzt geht es los. Atmen sie ein und aus, sehr gut noch einmal, noch einmal. Es ist ein Mädchen! Wie werden Sie es nennen?” „Eva”
Vika und Ivan haben sich vor zwei Jahren durch das Internet kennengelernt. Während dieser Zeit hatte sie schon einen Freund. Nachdem sie die 8. Klasse beendete, merkte sie, dass sie schwanger sei. Der Vater des Kindes sagte: „Beweise mir, dass das mein Kind ist.” Aber Vika konnte nichts beweisen und niemand kümmerte sich um sie und die Internatsschülerin verstand, dass sie ganz auf sich allein gestellt sei. „Meine Mutter hat mich mit 14 Jahren bekommen und mich bei meinem Vater abgegeben. Bis ich sechs war, habe ich bei meinem Vater gelebt und ich hatte es gut. Er war Koch und es gab immer leckeres Essen. Doch dann lernte er eine neue Frau kennen und die Schwierigkeiten begannen. Sie mochte mich nicht und mein Vater fing an zu trinken und mich zu schlagen. Mit 13 Jahren, als mich mein Vater wieder einmal verprügelte, habe ich es nicht mehr ertragen, griff nach einem Messer und warf es nach ihm.” Vika senkte den Blick zu Boden. An diesem Tag lief sie von Zuhause weg, richtete sich an die Polizei, doch die glaubten ihr nicht und wiesen sie für 2 Monate in eine psychiatrische Klinik ein. Damit fingen die Wechsel der Schulen an, bis sie ins Internat musste.
Vika fing sich an mit Ivan zu treffen, obwohl sie schon im zweiten Monat schwanger war. Ivan erklärte sich dafür bereit, dass Kind zu übernehmen und Vika zu heiraten, obwohl seine Eltern strikt gegen die Eheschließung waren. Sie haben versucht mit Ivans Eltern zusammenzuleben, doch es ging einfach nicht. Die Mutter war von Ivans Entscheidung, ein fremdes Kind zu übernehmen geschockt, es passte nicht zu ihrem Weltbild. „Doch ich konnte nicht anderes handeln, ich mag sowohl Vika, als auch ihre Tochter” erzählte uns Ivan mit einem Lächeln im Gesicht. Eine bekannte Familie mit 2 Kindern bot uns an, sich mit ihnen ein kleines Haus mit zwei Zimmern und einer Küche zu teilen, sowie die Kosten für die Miete, die Kohle und das Brennholz. Iwan nahm einige Gelegenheitsjobs an.
Doch leider wusste die junge Mutter nicht, wie man sich um ein Baby kümmert und hat es folglich nicht gestillt. Das hungrige Kind schrie hysterisch und benötigte bald eine
Sonderernährung. Woher aber das Geld für die Nahrung und für die Windeln nehmen? Ein Sozialarbeiter der Klinik verwies die junge Familie an die Caritas Omsk.
Als die Mitarbeiter der Caritas das Haus der Familie betraten, waren sie einfach entsetzt. Die Wände waren baufällig, der hölzerne Boden morsch und nur teilweise mit Furnier geflickt. Der Raum ist dunkel, eine Lampe erleuchtet ihn nur schwach, die Fensterläden sind geschlossen, damit die Wärme im Raum bleibt. Die Luft ist abgestanden der Raum ist nicht belüftet, die Tapeten vergilbt, die Möbel bestehen nur aus zwei kaputten Sofas, keine Kinderbetten, kein Kinderwagen, Wasser gibt es nur draußen, dass Kind kann nicht gewaschen werden. Es gibt keinen Kühlschrank, nur ein Minimum an Produkten, um Ivan, den einzigen Mann in der Familie, der draußen bei den eisigen Temperaturen als Bauarbeiter arbeitet, zu ernähren. Sie versprachen ihm das Gehalt bei dem Fertigstellen der Arbeit auszuzahlen, doch die Arbeiten sind immer noch nicht abgeschlossen und der Vorschuss von 3000 Rubel, ca. 49 Euro reichte nicht lange.
Am ersten Tag, an dem sich die junge Familie an die Caritas Omsk wendete, erhielten sie erst einmal Lebensmittel für sich und ihre Tochter. Am zweiten Tag brachten Mitarbeiter der Caritas einen Schrank und einen Tisch vorbei. Außerdem wurde ihnen Hilfe im Zentrum für Familienentwicklung durch die dortigen Pädagogen und Psychologen angeboten. Dort gibt es außerdem Zeiträume, in denen sich die Mutter von den häuslichen Sorgen erholen kann und auch mal Zeit nur für sich hat, denn Abwechslung ist sehr wichtig und beeinflusst den emotionalen Zustand der Mutter positiv.
Vika bat auch in den sozialen Netzwerken um Hilfe und die Bewohner Omsks haben schnell reagieret und Kinderwäsche, ein Bett und einen Kinderwagen vorbeigebracht. Iwan erzählt: „Als wir mit meinen Eltern zusammenlebten, schimpften sie jeden Tag, doch jetzt ist Zuhause ruhig und leise und wenn meine Tochter weint, laufe ich schnell zu ihr und fütter sie aus der Flasche. Ich glaube, bald wird es leichter.”
Sie können Familien, die sich in schweren und komplizierten Situationen befinden jetzt sofort helfen und auf dieser Seite zum Spender werden.