Die Welt der Kinder

„Warum schreit Mama so?“ – Das Kind sitzt zusammengekauert da und hält sich mit beiden Händen die Ohren zu. Seine blinden Augen schauen in die Dunkelheit. „Vadik, Vadik, es ist vorbei, er ist schon gegangen.“, rief die Mutter mit blutig geschlagenen Lippen. „Wir fahren zu Großmutter, mach dich schon mal fertig.“ Das Kind hat sie bei der Oma abgesetzt, und ist zur Arbeit zu fahren, jedoch am Abend nicht zurückgekehrt. Und der Junge wartete. Auch am nächsten Tag ist sie nicht gekommen. Nach einigen Tagen wurde die Mutter als vermisst erklärt.

Lubow Federowna, Vadiks Großmutter erzählt: „Alles fing so gut an, meine Tochter hat geheiratet, einen wundervollen Jungen zur Welt gebracht. Doch als mein Enkel zwei Monate alt war, habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt und der Junge die Spielzeuge nicht sieht. Ich habe selber sechs Kinder, ich weiß wovon ich rede. Der Arzt bestätigte: „Ja, das Kind ist blind.“

Ungeachtet dessen, wuchs und entwickelte sich der Junge normal, fing bald an zu sprechen. Zu dieser Zeit arbeitete die Mutter als Fitness-Trainerin, hat selbst die Miete für die Wohnung bezahlt und nur Positives berichtet. Doch der Vater sah die Probleme mit dem Kind und verließ die Familie umgehend. Offiziell sind die Eltern geschieden, von Zeit zu Zeit kehrte er jedoch wieder zurück, um seinen Ärger an der Mutter auszulassen, sie für alle Schwierigkeiten verantwortlich zu machen, er schlug und würgte sie. Das Kind wurde von Beginn an mit Gewalt und Missbrauch durch seinen Vater konfrontiert. Dadurch zog er sich immer mehr zurück, hörte auf zu sprechen. Vadiks Sehbehinderung wurde von nun an auch durch sein Schweigen begleitet. „Der Vater hat nicht einmal Unterhalt bezahlt.“, stellt Lubow Federnowa verärgert fest.

Doch das sind noch nicht alle Probleme. Bei Vadim wurde eine funktionelle Störung des Dick- und Dünndarms festgestellt. Das Kind kann nur Flüssignahrung zu sich nehmen. „Selbst den zähflüssigen Buchweizenbrei kann Vadik nicht verdauen und nach dem Schlucken, bekommt er sofort einen Brechreiz.“, teilt die Großmutter mit uns. „Für ihn ist eine individuelle Nahrung notwendig. Meine Rente beträgt 11 200 Rubel im Monat, das sind ungefähr 178 Euro. Seit dem die Mutter im Mai 2016 verschwunden ist, lebt mein Enkel bei mir und außer die Kopie seines Geburtszeugnisses, besitzt er keine Dokumente.“

Dadurch entsteht eine Reihe von Schwierigkeiten: Als erstes mussten die Behörden das Verschwinden der Mutter anerkennen, dann die Vormundschaft anerkennen, die Wiederherstellung der Dokumente beantragen, seine Behinderung anerkennen und die nötigen Papiere dafür erstellen. Dieser Prozess hat einige Monate gedauert. Um in der Zeit mit dem kleinen Kind irgendwie zu überleben, hat die Großmutter die Hilfe von ihren Mitbürgern und sozialen Netzwerken in der Stadt in Anspruch genommen. Vielen war ihr Schicksal nicht egal und sie erhielt Kleidung und Nahrung. Lubow Federnowna lebt in ihrer Dreizimmerwohnung noch mit drei Söhnen zusammen. Einer ist behindert, der andere arbeitslos, jeder hat sein einiges Budget. Die Wohnung ist sehr sauber, Lubow Federnowa zeigt sie uns: „Hier im Badezimmer hat jeder seine eigenen Handtücher, für die Füße, Hände, Gesicht, hier die Zahnbürsten… Das ist sein Schlitten, mit ihm gehen wir spazieren, alleine kann Vadik nicht nach draußen. In der Küche ist das Regal voll mit Lebensmitteln, welche uns gute Menschen vorbeigebracht haben. Doch ich rühre sie nicht an, sie sind alle für Vadik.“ Obwohl Lubow Federnowa ihre Tochter verloren und solche Schwierigkeiten mit ihrem Enkel hat, ist es nicht zu übersehen, mit wie viel Kraft sie Tag für Tag für eine bessere Zukunft kämpft.

Als wir Vadim das erste Mal gesehen haben, saß er auf dem Sofa, die Knie angezogen, schaukelte er wie ein Pendel, stöhnend vor und zurück. Seine Haltung muss ständig korrigiert werden. „Es ist nicht einfach mit ihm spazieren zu gehen, nur mit Mühe bewegt er sich und erschrickt sich vor vorbeifahrenden Autos.“, erzählt die Großmutter.

Wir haben der Großmutter die Möglichkeit aufgezeigt, sich an die Lebensmittel- und Wäscheausgabe der Caritas Omsk zu wenden. Für Vadim geben wir ihr Babybrei und Getreidebrei mit. Zweimal in der Woche arbeiten wir mit Vadim und seiner Großmutter in dem Zentrum für Familie und Entwicklung, sowie mit Familienberater und Therapeuten, um sie bei dem Prozess der Integration Vadims in die Gesellschaft und der Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes zu unterstützen. Ja, an Arbeit wird es nicht fehlen. Diese Kinder brauchen einen individuellen Ansatz und mit aktiver Teilnahme an den verschiedenen Aktionen, können große Erfolge erzielt werden.

Wir bitten Sie alle, für Vadim zu beten!

Liebe Freunde liebe Spender!

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Unsere Partnerorganisation, die Armen-Schwestern vom hl. Franziskus, stellen Ihnen gern eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt aus, wenn Sie auf der Überweisung Ihre vollständige Adresse angeben.


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