Arif stammt aus Kirgistan. Er ist 73 Jahre alt und hat sein ganzes Leben auf dem Bau verbracht. Von der physisch schweren Arbeit sind seine Hände sehnig und sein Rücken krumm geworden. Von Weitem erinnert er an eine kleine Spinne, die den Haufen von Hausmüll, auf der Suche nach verschiedensten Metallen, keck aufwühlt. Alle Metallteile, die Arif an einem Tag findet, bringt er zu einer Sammelstelle. Von dem Geld, welches er dabei verdient, leben sie. Vielmehr ernähren sie sich. Für die Miete der Wohnung zahlt die fleißige Tochter Suchra. Vor drei Jahren trennte sich Suchra von ihrem Mann, ihr gemeinsamer Sohn Anwarbek, lebt bei ihr. In Kirgistan gibt es keine Arbeit, sogar für einen einzelnen Erwachsenen ist es schwer dort zu leben und dann noch mit Kind… Aus diesem Grund hat sie sich dazu entschieden, zum Geldverdienen mit Sohn und Vater nach Sibirien aufzubrechen.
„Denn wie würde der Junge ohne Mann aufwachsen? Ich bin zwar krank, aber immer noch ein Mann!” resümiert der Großvater. So setzt er den kleinen Anwarbek auf seinen krummen Rücken und bringt ihn zum Kinderklub. Der Junge hält sich mit seinen kleinen Händen am Kopf des Opas fest und schläft durch den gleichmäßigen Rhythmus fast ein. Nur das Geräusch der Straßenbahnen, welches ertönt, wenn Arif vorsichtig die Schienen überquert und das plötzliche Bellen der freilaufenden Hunde, die dem ungewöhnlichen Pärchen hinterherlaufen, wecken ihn immer wieder auf. Dann bleibt Arif stehen und beschimpft die Hunde auf Kirgisisch. Die Hunde weichen zurück und der Großvater setzt seinen Weg fort. Für den Jungen ist er ein Held und es gibt für ihn niemanden der mutiger und stärker ist, als sein gebeugter Opa Arif. Und eine bessere Arbeit für seinen Opa kann er sich nicht vorstellen, schließlich bringt dieser ihm fast jeden Abend Schokolade oder ein kleines Spielzeug mit. Also wo kann man sonst noch so verdienen?